Das amerikanische Hochschulsystem zieht seit Jahren Studierende aus aller Welt an und bietet eine breite Palette an Möglichkeiten und prestigeträchtigen Abschlüssen. Für Deutsche kann der Begriff „College“ jedoch zu Verwirrung führen. In Deutschland wird der Begriff „College“ eher mit einem Berufskolleg oder Studienkolleg assoziiert und nicht mit einer typischen Hochschule oder Universität. Dieser Artikel soll erklären, was ein „College“ in den Vereinigten Staaten wirklich ist und wie sich dieser Begriff von deutschen Universitäten, Technischen Universitäten und Akademien unterscheidet. Wenn Sie ein Studium in den USA planen, ist das Verständnis dieser Unterschiede eine absolute Grundlage.
Worin unterscheidet sich ein „College“ von einer „Universität“ und anderen deutschen Hochschulen?
In den Vereinigten Staaten werden die Begriffe „College“ und „University“ oft synonym verwendet, insbesondere im umgangssprachlichen Gebrauch, wenn es um die Ausbildung nach dem Abitur geht. Man kann sowohl „going to college“ als auch „going to university“ hören, um dieselbe Bildungsphase zu beschreiben. Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied.
Ein „College“ bezieht sich in der Regel auf eine Institution, die sich hauptsächlich auf das Angebot von Bachelorstudiengängen (undergraduate) konzentriert, d.h. Programme, die typischerweise vier Jahre dauern und mit einem Bachelor of Arts (BA) oder Bachelor of Science (BS) abschließen. Eine „University“ hingegen ist in der Regel eine größere Institution, die neben Bachelorstudiengängen auch Masterstudiengänge (master’s) und Promotionsstudiengänge (Ph.D.), bekannt als Graduiertenstudium (graduate), anbietet.
Es ist auch wichtig zu wissen, dass ein „College“ als eigenständige Institution, unabhängig von einer Universität, existieren kann. Ein Beispiel hierfür sind die sogenannten Liberal Arts Colleges, auf die wir später noch genauer eingehen werden. Es kann aber auch Teil einer größeren Universität sein, als deren Fakultät oder Einheit, die für Bachelorprogramme zuständig ist. Ein gutes Beispiel ist das Yale College, das Teil der Yale University ist. Studierende des Yale College nutzen die Ressourcen der gesamten Universität, haben aber ihre eigenen Strukturen und Traditionen. Ähnlich funktioniert das Harvard College im Rahmen der Harvard University, und das MIT bietet seine Bachelorprogramme als Teil des größeren Massachusetts Institute of Technology an.
Vergleicht man dies mit dem deutschen Hochschulsystem, so zeigen sich wesentliche Unterschiede. In Deutschland gibt es eine klare Unterscheidung zwischen Universitäten, Technischen Universitäten und Akademien, wobei jeder Typ auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert ist und unterschiedliche Bildungsniveaus anbietet. Das Studium in Deutschland ist zudem im Rahmen des Bologna-Prozesses in ein zweistufiges System gegliedert: Dreijährige Bachelorstudiengänge sind der erste Zyklus, und zweijährige Masterstudiengänge bilden den zweiten Zyklus. In den USA sind Bachelorstudiengänge in der Regel länger und anfangs oft interdisziplinärer, was den Studierenden mehr Zeit gibt, ein spezifisches Hauptfach zu wählen. Es lohnt sich, unseren Artikel darüber zu lesen, wie das Abitur (Matura) in Bezug auf die Anforderungen ausländischer Hochschulen bewertet wird.
Vergleich der Hochschulsysteme
| Merkmale | Amerikanisches „College“ (oft) | Deutsches Hochschulsystem (Beispiele) |
|---|---|---|
| Studienstufe | Hauptsächlich Bachelorstudium | Bachelorstudium, Masterstudium, Promotionsstudium |
| Terminologie | „College“ und „University“ oft synonym, „College“ kann Teil einer „University“ sein | Universität, Technische Universität, Akademie – eigenständige Typen |
| Dauer des Bachelorstudiums | Typischerweise 4 Jahre | Typischerweise 3 Jahre (Bachelor) |
| Wahl des Hauptfachs | Oft nach dem ersten oder zweiten Jahr | Oft von Studienbeginn an |
| Typische Institutionen | Liberal Arts Colleges, Community Colleges, Undergraduate Colleges an Universitäten | Universitäten (allgemein, technisch, medizinisch, künstlerisch), Akademien |
Entdecken Sie die verschiedenen Facetten amerikanischer „Colleges“
Im amerikanischen Hochschulsystem gibt es mehrere Haupttypen von „Colleges“, die sich in ihrem Charakter, ihrem Bildungsangebot und ihrer Mission unterscheiden. Das Verständnis dieser Unterschiede ist für deutsche Leser von entscheidender Bedeutung.
Liberal Arts Colleges – umfassende Bildung an erster Stelle
Liberal Arts Colleges sind Institutionen, die Wert auf eine breite Bildung in Bereichen wie:
- Geisteswissenschaften (Literatur, Geschichte, Philosophie)
- Sozialwissenschaften (Soziologie, Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaften)
- Naturwissenschaften (Mathematik, Physik, Biologie)
Sie zeichnen sich in der Regel durch eine geringere Größe im Vergleich zu Universitäten aus, was zu kleineren Klassen und einem besseren Kontakt zwischen Studierenden und Dozenten führt. Die Lehrmethoden sind oft interaktiv, und viele dieser Schulen sind Wohnschulen, was bedeutet, dass die meisten Studierenden auf dem Campus wohnen.
An Liberal Arts Colleges sind die Dozenten in der Regel fest angestellte Professoren und keine Doktorandenassistenten, was an großen Forschungsuniversitäten häufiger vorkommt. Diese Institutionen können koedukativ oder geschlechtergetrennt, privat oder öffentlich sowie säkular oder religiös gebunden sein. Einige von ihnen sind historisch schwarze Colleges und Universitäten (HBCUs), andere bieten experimentelle Lehrpläne an.
Beispiele bekannter Liberal Arts Colleges sind Williams College, Amherst College, Pomona College, Wellesley College und Carleton College. Ihr Ziel ist es, kritisches Denken, analytische und kommunikative Fähigkeiten bei den Studierenden zu entwickeln und sie auf vielfältige Karrierewege und Graduiertenstudiengänge vorzubereiten. Im deutschen System, wo die Spezialisierung oft früher beginnt, mögen Liberal Arts Colleges weniger bekannt erscheinen, aber ihr Fokus auf eine umfassende Bildung wird in den USA für die Entwicklung von Anpassungsfähigkeit und Problemlösungsfähigkeiten geschätzt.
Community Colleges – zwei Jahre zum Ziel oder ein beruflicher Weg
Community Colleges sind zweijährige öffentliche Hochschulen, die hauptsächlich Programme anbieten, die zu einem Associate’s Degree (AA – Associate of Arts oder AS – Associate of Science) führen. Sie erfüllen mehrere wichtige Funktionen im amerikanischen Bildungssystem:
- Sie bieten berufliche Programme an, die Studierende nach zwei Jahren Ausbildung auf den Einstieg in bestimmte Berufe vorbereiten.
- Sie stellen einen beliebten Transferweg zu Universitäten dar. Studierende können zwei Jahre an einem Community College absolvieren, einen Associate’s Degree erwerben und dann an eine vierjährige Universität wechseln, um ihr Bachelorstudium fortzusetzen und einen Bachelor’s Degree zu erhalten.
Dieser sogenannte „2+2“-Prozess ist oft finanziell zugänglicher, da die Studiengebühren an Community Colleges in der Regel niedriger sind als an Universitäten. Im akademischen Jahr 2025-2026 betrugen die jährlichen Studiengebühren an einem Community College durchschnittlich 4.000-12.000 USD, während sie an vierjährigen öffentlichen Hochschulen 10.000-15.000 USD für lokale Studierende betrugen. Community Colleges zeichnen sich auch durch einen flexibleren Zulassungsprozess aus, oft mit einer offenen Zulassungspolitik für Personen mit einem High School-Abschluss oder einem GED (General Educational Development Test). Mehr über die Kosten eines Studiums in den USA erfahren Sie in unserem speziellen Leitfaden.
Sie dienen in erster Linie den lokalen Gemeinschaften und Arbeitsmärkten und bieten einen kostengünstigen Weg zur Hochschulbildung. Beispiele beliebter Community Colleges sind Santa Monica College, Pasadena City College und Houston Community College. Für deutsche Studierende können Community Colleges eine attraktive Option sein, um ein Studium in den USA zu beginnen, da sie anfängliche Kosten sparen und eine schrittweise Anpassung an das amerikanische Bildungssystem ermöglichen. Dies ist auch eine gute Option für diejenigen, die nach einer Möglichkeit suchen, kostenlos in den USA zu studieren.
Colleges als Teil von Universitäten – Bachelor unter dem Dach eines Giganten
Viele große Universitäten in den USA haben in ihrer Struktur kleinere Einheiten, die als „Colleges“ bezeichnet werden und für die Durchführung von Bachelorprogrammen zuständig sind. Beispiele hierfür sind das Harvard College innerhalb der Harvard University, das Yale College an der Yale University und das Columbia College an der Columbia University. Diese Hochschulen gehören zur prestigeträchtigen Ivy League, einer Gruppe von acht Eliteuniversitäten mit außergewöhnlich niedrigen Akzeptanzraten.
Studierende dieser „Colleges“ sind formell Teil der Universität und haben Zugang zu deren umfangreichen Ressourcen wie Bibliotheken, Laboren und anderen Einrichtungen. Die Bachelorprogramme innerhalb dieser „Colleges“ haben jedoch oft ihre eigene, stärker konzentrierte akademische Struktur, Kultur und Studentengemeinschaft.
Das Yale College bietet beispielsweise über 2000 Kurse im Bachelorstudium in den Geistes- und Naturwissenschaften an, und viele herausragende Universitätsprofessoren unterrichten Einführungskurse. Das Konzept eines „College“ innerhalb einer Universität kann an deutsche „Fakultäten“ erinnern, legt aber oft größeren Wert auf die Kohärenz des Bachelorerlebnisses und den Aufbau einer starken Identität unter den Studierenden dieser Stufe.
Weitere Beispiele für Universitäten mit bekannten „Colleges“ sind die Stanford University, das Massachusetts Institute of Technology (MIT) und die University of Chicago.
Wie ist das Studium an einem „College“ organisiert? Von Fakultäten bis zum Credit-System
Die akademische Struktur eines typischen „College“ in den USA unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der an deutschen Hochschulen bekannten. Das Verständnis der Studienorganisation ist für jeden deutschen Studierenden, der ein Studium in den Vereinigten Staaten in Betracht zieht, von entscheidender Bedeutung.
Fakultäten (Departments) – Aufteilung nach Spezialisierungen
Sowohl „Colleges“ als auch Universitäten in den USA sind in Fakultäten (departments) unterteilt, die Wissenschaftler gruppieren und Kurse in bestimmten Fachgebieten anbieten. Beispiele für typische Fakultäten sind:
- Anglistik (English Department)
- Informatik (Department of Computer Science)
- Wirtschaftswissenschaften (Department of Economics)
- Biologie (Department of Biology)
Jede Fakultät hat ihr eigenes Professorenteam, ihren eigenen Lehrplan und oft eigene Gebäude oder Gebäudeflügel auf dem Campus. Studierende, die ein bestimmtes Hauptfach (major) wählen, werden intensiv mit der Fakultät zusammenarbeiten, die dieses Hauptfach anbietet, an Kursen teilnehmen, die von ihren Professoren unterrichtet werden, und deren Ressourcen nutzen.
Hauptfach (Major) und Nebenfach (Minor) – Ihre akademische Identität
Eines der Schlüsselmerkmale des amerikanischen Hochschulsystems ist die Möglichkeit, ein Hauptfach (major) und ein optionales Nebenfach (minor) zu wählen. Das Hauptfach (major) ist der Bereich, auf den sich der Studierende den Großteil seines Studiums konzentriert und in dem er seinen Abschluss erwerben möchte.
Die Wahl des Hauptfachs erfolgt in der Regel nach dem ersten oder zweiten Studienjahr, was den Studierenden Zeit gibt, verschiedene Fächer zu erkunden und ihre wahren Interessen zu entdecken. Beispiele für beliebte Hauptfächer in den USA sind:
- Wirtschaft
- Gesundheitswesen
- Sozialwissenschaften und Geschichte
- Biologische und biomedizinische Wissenschaften
- Psychologie
- Ingenieurwesen
- Informatik
Zusätzlich haben Studierende oft die Möglichkeit, ein Nebenfach (minor) in einem verwandten oder völlig anderen Bereich zu wählen. Ein Minor ist ein weniger intensives Studienprogramm in einem ausgewählten Fachgebiet, das den Studierenden ermöglicht, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in einem Bereich zu erweitern, der ihr Hauptfach ergänzt oder einfach ihren Interessen entspricht.
Beliebte Nebenfächer sind Wirtschaft, Fremdsprachen, Informatik, kreatives Schreiben oder Politikwissenschaft. Diese Flexibilität bei der Wahl von Haupt- und Nebenfach, oft nach Studienbeginn, stellt einen signifikanten Unterschied zum deutschen System dar, wo Studierende in der Regel von Anfang an einen konkreten, definierten Studiengang wählen.
Kurs- und Credit-System – Messen Sie Ihren Fortschritt
An amerikanischen „Colleges“ gilt ein Kurs- und Credit-System, bekannt als Credit-System. Jeder Kurs hat, abhängig von seiner Intensität und dem Arbeitsaufwand, eine bestimmte Anzahl von Credit Points zugewiesen. Das Bestehen eines Kurses, d.h. das Erreichen einer positiven Note, führt zur Vergabe dieser Credit Points an den Studierenden.
Um das Studium abzuschließen und einen Abschluss zu erhalten, muss der Studierende eine bestimmte Gesamtpunktzahl an Credit Points sammeln, die je nach Art des Abschlusses (z.B. Associate’s, Bachelor’s) und des Studiengangs variiert.
Die einem Kurs zugewiesene Anzahl von Credit Points spiegelt den geschätzten Arbeitsaufwand des Studierenden wider, einschließlich der Zeit, die in Vorlesungen, Übungen und Laboren verbracht wird, sowie der Zeit, die für das Selbststudium (Lesen, Schreiben von Arbeiten, Prüfungsvorbereitung) aufgewendet wird. In der Regel entspricht ein Credit Point einer Unterrichtsstunde pro Woche und etwa zwei Stunden Selbststudium pro Semester. Die meisten Bachelor-Kurse haben einen Wert von 3 oder 4 Credit Points.
In den USA überwiegt das Semestersystem, bei dem das akademische Jahr in zwei Hauptsemester (Herbst und Frühling) von etwa 15-16 Wochen Dauer unterteilt ist. Einige Hochschulen verwenden auch ein Quartalssystem mit vier kürzeren Studienperioden pro Jahr. Das Verständnis des Credit-Systems ist für deutsche Studierende wichtig, da es ihnen ermöglicht, ihren Studienverlauf zu planen, den Fortschritt beim Erwerb des Abschlusses zu überwachen und gegebenenfalls Credits zwischen verschiedenen Institutionen zu übertragen.
Studentenleben im amerikanischen Stil: Studentenwohnheime, Clubs und Sport
Das Studentenleben an einem amerikanischen „College“ ist nicht nur Lernen, sondern auch ein reichhaltiges Angebot an außerschulischen Aktivitäten und eine starke soziale Kultur. Für viele Studierende ist das Leben auf dem Campus ein integraler Bestandteil ihrer Ausbildung. Es ist wichtig zu wissen, dass außerschulische Aktivitäten nicht nur im Studentenleben, sondern vor allem im Zulassungsprozess an amerikanischen Hochschulen eine Schlüsselrolle spielen.
Unterkunft (Dormitories, On-Campus Housing) – Ihr Platz auf dem Campus
Die meisten amerikanischen „Colleges“ bieten verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten auf dem Campus an, darunter traditionelle Studentenwohnheime (dormitories oder residence halls) und Studentenapartments (on-campus housing). Studentenwohnheime sind oft Gebäude, in denen Studierende Zimmer teilen (meist Doppelzimmer, seltener Einzel- oder Dreibettzimmer) und gemeinsame Bäder, Küchen und Aufenthaltsräume nutzen.
Studentenapartments bieten mehr Privatsphäre, oft mit eigenen Schlafzimmern, Bädern und Kochnischen, die mit mehreren anderen Studierenden geteilt werden. Das Wohnen auf dem Campus ist besonders bei Erstsemestern beliebt, da es die Integration in die akademische Gemeinschaft, den Zugang zu Kursen und anderen Campus-Einrichtungen erleichtert.
Viele Hochschulen bieten koedukative (gemischte) oder geschlechtergetrennte Unterkünfte sowie sogenannte „themed housing“ an, bei denen Studierende mit ähnlichen Interessen (z.B. künstlerisch, sprachlich) zusammenleben. Es ist wichtig zu beachten, dass der Fokus auf das Wohnen auf dem Campus als zentrales Element des „College“-Erlebnisses anders sein kann als in Deutschland, wo viele Studierende außerhalb des Campus wohnen oder pendeln.
Studentenorganisationen (Clubs and Organizations) – Leidenschaften entwickeln und Kontakte knüpfen
Amerikanische „Colleges“ sind bekannt für die enorme Anzahl von Studentenorganisationen (clubs and organizations), die Studierenden unzählige Möglichkeiten bieten, ihre Leidenschaften, Hobbys, Fähigkeiten zu entwickeln und Kontakte zu knüpfen. Es gibt Organisationen:
- akademische
- sportliche (sowohl Freizeitsport als auch Sportvereine)
- kulturelle
- künstlerische
- soziale
- ehrenamtliche
- religiöse
- und viele andere
Studierende können bestehenden Clubs beitreten oder eigene gründen, wenn sie keine Organisation finden, die ihren Interessen entspricht. Beispiele sind Schachclubs, Musikgruppen, Theatergruppen, Studentenorganisationen für Umweltschutz, Literaturclubs, Vereinigungen von Studierenden aus verschiedenen Ländern und viele, viele mehr.
Studentenorganisationen spielen eine Schlüsselrolle beim Aufbau der Campus-Gemeinschaft, ermöglichen es Studierenden, Gleichgesinnte kennenzulernen, Führungs-, Organisations- und zwischenmenschliche Fähigkeiten zu entwickeln und aktiv am „College“-Leben teilzunehmen. Der Reichtum und die Vielfalt dieser Organisationen übertreffen wahrscheinlich das, was typischerweise an deutschen Universitäten verfügbar ist.
Sport- und Kulturveranstaltungen – Spüren Sie den „College“-Geist
Sport- und Kulturveranstaltungen sind im Studentenleben amerikanischer „Colleges“ äußerst wichtig und ein wesentliches Element beim Aufbau des Gemeinschaftsgeistes und der Identität der Hochschule. Sportspiele und Turniere, insbesondere in beliebten Disziplinen wie American Football, Basketball oder Baseball, ziehen Massen von Studierenden, Alumni und Anwohnern an und schaffen eine unglaubliche Atmosphäre.
Die Rivalitäten zwischen den Hochschulen, oft mit langjähriger Tradition, wecken große Emotionen und Loyalität. Ein Beispiel ist das jährliche Footballspiel zwischen der Stanford University und der University of California, Berkeley, das von einem riesigen Lagerfeuer auf dem Stanford-Campus begleitet wird.
Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen, Kunstausstellungen, Filmfestivals und andere spielen ebenfalls eine wichtige Rolle im Campusleben und bieten Studierenden Unterhaltung, die Möglichkeit, Kultur zu erleben und eigene Talente zu präsentieren. Oft sind mit Sportveranstaltungen einzigartige Traditionen verbunden, wie das „Tailgating“, d.h. Picknicks und Partys, die vor den Spielen auf den Parkplätzen rund um die Stadien veranstaltet werden.
Sport hat an amerikanischen „Colleges“ eine wesentlich größere kulturelle Bedeutung als in Deutschland und wird oft zu einem zentralen Element der Identität von Studierenden und Alumni.
Studentengemeinschaft – Ihre neue Familie
Ein „College“ in den USA ist nicht nur ein Ort, an dem man Wissen erwirbt, sondern vor allem eine Gemeinschaft, in der Studierende einen Großteil ihrer Zeit verbringen, Freundschaften schließen und Beziehungen aufbauen, die oft ein Leben lang halten. Die Integration in die Studentengemeinschaft ist für den akademischen und persönlichen Erfolg äußerst wichtig.
Studierende, die sich als Teil der Gemeinschaft fühlen, engagieren sich stärker im Campusleben, erzielen bessere akademische Leistungen und brechen seltener ihr Studium ab. Das gemeinsame Wohnen in Studentenwohnheimen, die Teilnahme an Studentenorganisationen, die Teilnahme an Sport- und Kulturveranstaltungen sowie die täglichen Interaktionen mit anderen Studierenden in Kursen und Gemeinschaftsräumen tragen alle dazu bei, eine starke und unterstützende Studentengemeinschaft zu schaffen, die für viele zu ihrer neuen Familie wird.
Bewerbung am „College“ Schritt für Schritt – ein Leitfaden für deutsche Studierende
Der Bewerbungsprozess an einem amerikanischen „College“ kann aus der Perspektive eines deutschen Studierenden kompliziert erscheinen, ist aber mit der richtigen Vorbereitung durchaus machbar. Eine detaillierte Beschreibung des gesamten Prozesses finden Sie in unserem Artikel Bewerbungsprozess für ein Studium in den USA Schritt für Schritt.
Erforderliche Dokumente – was Sie vorbereiten müssen
Wenn Sie sich an einem amerikanischen „College“ bewerben, müssen Sie eine Reihe von Dokumenten vorbereiten. Diese umfassen in der Regel:
- Online-Bewerbung: Die meisten Hochschulen nutzen eigene Online-Bewerbungssysteme oder die Plattform Common Application, die es ermöglicht, sich gleichzeitig an mehreren Hochschulen zu bewerben.
- Zeugnisse der Sekundarstufe: Sie müssen offizielle Zeugnisse Ihrer deutschen Sekundarschule vorlegen, die von einem zertifizierten Übersetzer ins Englische übersetzt wurden. Erfahren Sie mehr über die Umrechnung von Abiturnoten.
- Bewerbungsessays: Die meisten Hochschulen verlangen das Verfassen eines oder mehrerer Bewerbungsessays, in denen Sie Ihre Interessen, Erfahrungen, Motivationen und Zukunftspläne beschreiben müssen.
- Empfehlungsschreiben: Sie müssen Lehrer oder Betreuer Ihrer Sekundarschule bitten, Empfehlungsschreiben (letters of recommendation) zu verfassen, die Ihre akademischen Leistungen, Ihren Charakter und Ihr Potenzial beurteilen.
- Nachweis ausreichender finanzieller Mittel: Als internationaler Studierender müssen Sie nachweisen, dass Sie über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, um die Kosten für Studiengebühren, Unterkunft, Verpflegung und andere Ausgaben im Zusammenhang mit dem Studium in den USA zu decken. Dies kann in Form von Kontoauszügen, Stipendienbescheinigungen oder Schreiben von Sponsoren erfolgen.
- Kopie eines gültigen Reisepasses: Ihr Reisepass muss mindestens sechs Monate länger gültig sein als Ihr geplanter Aufenthalt in den USA. Mehr über Studentenvisa für die USA erfahren Sie in einem separaten Artikel.
Der Bewerbungsprozess an amerikanischen „Colleges“ ist oft ganzheitlicher und anspruchsvoller als an deutschen Hochschulen, wo das Hauptkriterium in der Regel die Abiturnoten sind. In den USA wird neben Noten und Testergebnissen großer Wert auf Essays, Empfehlungsschreiben und Ihr außerschulisches Engagement gelegt. Es lohnt sich, unseren Bewerbungszeitplan für ein Auslandsstudium zu beachten, damit Sie nichts überrascht.
Standardisierte Tests – Ihr Eintrittsticket (SAT/ACT, TOEFL/IELTS)
Die meisten amerikanischen „Colleges“ verlangen von Bachelor-Bewerbern die Absolvierung standardisierter Tests: SAT (Scholastic Assessment Test) oder ACT (American College Testing). Diese Tests sollen Ihre Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen bewerten und Bewerber aus verschiedenen Bildungshintergründen vergleichen. Einige Hochschulen akzeptieren möglicherweise nur die Ergebnisse eines dieser Tests, andere beide. Es lohnt sich, die Anforderungen der jeweiligen Hochschule zu prüfen. Zur Vorbereitung auf den SAT empfehlen wir das Tool Prepclass.io – eine Lernplattform mit Diagnosetests und einem adaptiven Lernplan.
Für Bewerber, deren Muttersprache nicht Englisch ist (einschließlich der meisten deutschen Studierenden), ist es auch erforderlich, einen Englischtest wie den TOEFL (Test of English as a Foreign Language) oder IELTS (International English Language Testing System) abzulegen. Diese Tests überprüfen Ihre Englischkenntnisse in den Bereichen Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben.
Die minimal erforderlichen Ergebnisse variieren je nach Hochschule, liegen aber in der Regel bei 80-100 Punkten für den TOEFL und 6.5-7.0 für den IELTS. Einige Hochschulen können eine Befreiung von dieser Anforderung anbieten, wenn Ihre Sekundarschule den Unterricht in englischer Sprache durchgeführt hat. Es ist wichtig zu beachten, dass die SAT/ACT- und TOEFL/IELTS-Tests nicht Teil des deutschen Abiturs sind und eine separate Vorbereitung und Anmeldung erfordern.
Stipendien – Wie Sie Ihr Studium in den USA finanzieren
Die Kosten für ein Studium in den USA können hoch sein (wir haben sie ausführlich im Artikel Wie viel kostet ein Studium in den USA beschrieben), aber es gibt viele Möglichkeiten, Stipendien für internationale Studierende zu erhalten. Stipendien können von den Hochschulen selbst auf der Grundlage akademischer Leistungen, finanzieller Bedürfnisse oder anderer Kriterien angeboten werden.
Einige prestigeträchtige Hochschulen, wie Harvard und Yale, bieten Vollstipendien an, die alle Studienkosten für talentierte internationale Studierende decken, die einen entsprechenden finanziellen Bedarf nachweisen. Im Jahr 2026 stellt Harvard jährlich über 250 Millionen USD für finanzielle Unterstützung bereit, und 55 % der Studierenden erhalten bedarfsorientierte Stipendien. Es gibt auch Stipendien, die von externen Organisationen, Stiftungen und Regierungen angeboten werden, wie das Fulbright-Programm für internationale Studierende.
Viele Stipendien erfordern das Verfassen zusätzlicher Essays, die Vorlage von Empfehlungsschreiben oder die Teilnahme an einem Vorstellungsgespräch. Die Suche und Bewerbung um Stipendien erfordert Zeit und Mühe, kann aber die Studienkosten erheblich senken.
Beispiele für Stipendien für internationale Studierende sind:
- Dr. Elemer and Eva Kiss Scholarship Fund
- MPOWER Monthly Scholarship Series
- #YouAreWelcomeHere Scholarship
Es lohnt sich, so früh wie möglich mit der Stipendiensuche zu beginnen und die Zulassungskriterien sowie die Bewerbungsfristen genau zu prüfen. Wenn Sie Unterstützung im Bewerbungsprozess benötigen, helfen Ihnen die Experten von College Council dabei, die besten Stipendienoptionen zu finden, die auf Ihr Profil zugeschnitten sind.
Amerikanische „Colleges“ hinter den Kulissen: Wissenswertes und Anekdoten
Das Leben an einem amerikanischen „College“ ist nicht nur Lernen und Formalitäten. Es ist auch eine einzigartige Kultur, Traditionen und interessante Geschichten. Hier sind einige Anekdoten und Fakten, die deutsche Leser interessieren könnten:
- Erstsemesterlauf (Williams College): Zu Beginn des akademischen Jahres laufen die Erstsemester um Mitternacht von ihren Studentenwohnheimen zum Haus des Universitätspräsidenten. Diese Tradition symbolisiert den Beginn ihrer akademischen Reise.
- Nacktlauf (Wesleyan University): Am letzten Unterrichtstag jedes Semesters laufen die Studierenden der Wesleyan University nackt über den Campus, um den Prüfungsstress abzubauen.
- Urschrei (Harvard University): Um Mitternacht vor Beginn der Prüfungsphase versammeln sich die Harvard-Studierenden auf dem Harvard Yard und schreien so laut sie können, um Stress und Anspannung abzubauen.
- Lagerfeuer vor „The Big Game“ (Stanford University): Vor dem jährlichen Footballspiel gegen die University of California, Berkeley, bauen die Stanford-Studierenden ein riesiges Lagerfeuer auf dem Campus.
- Kussstein (Wellesley College): Der Legende nach wird eine Studentin, die den Kussstein am Wellesley College küsst, innerhalb eines Jahres heiraten.
- Kanone bemalen (Carleton College): Die Studierenden des Carleton College bemalen jedes Jahr eine alte Kanone auf dem Campus mit Nachrichten und Zeichnungen.
- Motto der Yale University: „Lux et Veritas“, was auf Lateinisch „Licht und Wahrheit“ bedeutet, ist seit 1736 das Motto der Yale University und spiegelt das Engagement der Universität für die Suche nach Wissen und Wahrheit wider. Es ist in viele Campusgebäude eingraviert.
- Piratenlizenz am MIT: Studierende des Massachusetts Institute of Technology (MIT), die Kurse in Bogenschießen, Fechten, Segeln und Schießen (mit Pistole oder Gewehr) absolvieren, können eine „Piratenlizenz“ erhalten. Diese berechtigt jedoch nicht zum Entern von Schiffen.
- Die ungeschlagene Footballmannschaft von Caltech: Die Footballmannschaft des California Institute of Technology (Caltech) ist seit 1993 ungeschlagen. Das liegt daran, dass die Universität seitdem keine Footballmannschaft mehr hat.
- Die größte Schnitzeljagd der Welt (University of Chicago): Die University of Chicago veranstaltet jedes Jahr die größte Schnitzeljagd der Welt, eine Universitätstradition seit 1987. Die Aufgabenliste umfasst sowohl das Finden von Gegenständen als auch die Durchführung verschiedener kreativer Aufgaben.
Diese Kuriositäten zeigen, dass amerikanische „Colleges“ nicht nur ernsthafte akademische Institutionen sind, sondern auch Orte voller einzigartiger Traditionen, Humor und unvergesslicher Geschichten.
Zusammenfassung: Wesentliche Unterschiede und wie man beginnt
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das amerikanische „College“ ein breites und vielfältiges Konzept ist, das sich oft auf Bachelorstudiengänge bezieht, aber auch eine eigenständige Institution oder einen Teil einer größeren Universität bedeuten kann. Wesentliche Unterschiede zum deutschen Hochschulsystem sind die abweichende Terminologie, die Studienstruktur, die Flexibilität bei der Wahl des Hauptfachs und das reiche Studentenleben auf dem Campus.
Wenn Sie ein Studium in den USA in Betracht ziehen, denken Sie daran, sich sorgfältig mit den Anforderungen der jeweiligen Hochschulen vertraut zu machen und den Bewerbungsprozess rechtzeitig zu beginnen. Die Berater von College Council und die Plattform Okiro.io können Ihnen helfen, den gesamten Prozess zu navigieren – von der Hochschulwahl bis zur Einreichung der Bewerbung.
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- Bewerbungsprozess für ein Studium in den USA Schritt für Schritt
- Stipendien für ein Studium in den USA für Deutsche
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Häufig gestellte Fragen
Was genau ist ein College in den USA?
Ein College in den USA ist eine Hochschuleinrichtung, die hauptsächlich vierjährige Bachelorstudiengänge (undergraduate) anbietet. Es kann eine eigenständige Hochschule (z.B. ein Liberal Arts College) sein oder Teil einer größeren Universität (z.B. das Harvard College innerhalb der Harvard University). Im umgangssprachlichen Gebrauch bedeutet „College“ einfach ein Hochschulstudium.
Ist ein College schlechter als eine Universität?
Nein. In den USA sind College und Universität verschiedene Arten von Institutionen, aber keine ist per Definition „schlechter“. Viele prestigeträchtige Liberal Arts Colleges (z.B. Williams, Amherst, Pomona) bieten eine hervorragende Bachelor-Ausbildung und werden höher bewertet als einige Universitäten. Der Unterschied besteht darin, dass sich ein College auf Bachelorprogramme konzentriert, während eine Universität zusätzlich Master- und Promotionsstudiengänge anbietet.
Wie viel kostet ein Studium an einem amerikanischen College?
Die Kosten für ein Studium in den USA im akademischen Jahr 2025-2026 reichen von etwa 4.000-12.000 USD pro Jahr an Community Colleges über 10.000-15.000 USD an öffentlichen staatlichen Hochschulen (für lokale Studierende) bis hin zu 40.000-75.000 USD an privaten Hochschulen. Hinzu kommen Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Materialien. Viele Hochschulen bieten jedoch großzügige Stipendien für internationale Studierende an.
Wie kommt man mit dem deutschen Abitur an ein amerikanisches College?
Das deutsche Abitur wird von den meisten amerikanischen Hochschulen akzeptiert, erfordert aber in der Regel die Ergänzung durch Ergebnisse der SAT- oder ACT-Prüfungen, ein TOEFL-/IELTS-Zertifikat, Bewerbungsessays, Empfehlungsschreiben und Nachweise über außerschulische Aktivitäten. Die Dokumente müssen von einem vereidigten Übersetzer ins Englische übersetzt und in der Regel mit einer Apostille versehen werden. Der gesamte Bewerbungsprozess sollte 12-18 Monate vor dem geplanten Studienbeginn gestartet werden.
Was ist ein Community College und lohnt es sich, dort mit dem Studium zu beginnen?
Ein Community College ist eine zweijährige öffentliche Hochschule, die einen Associate’s Degree anbietet. Es ist ein beliebter und kostengünstiger Ausgangspunkt für eine vierjährige Universität (das sogenannte „2+2“-Modell). Die Studiengebühren betragen durchschnittlich 4.000-12.000 USD pro Jahr. Für deutsche Studierende ist dies eine gute Option, um die anfänglichen Kosten zu senken und sich an das amerikanische Bildungssystem anzupassen, bevor sie an eine prestigeträchtige Universität wechseln.
Was ist ein Liberal Arts College?
Ein Liberal Arts College ist eine Hochschule, die sich auf eine umfassende Ausbildung in den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften konzentriert. Es zeichnet sich durch kleine Klassen (oft 10-20 Studierende), engen Kontakt zu Professoren und einen Schwerpunkt auf kritisches Denken aus. Beispiele sind Williams College, Amherst College und Pomona College. Es ist eine ausgezeichnete Wahl für Studierende, die eine breite Ausbildung wünschen, bevor sie sich möglicherweise in einem Masterstudium spezialisieren.
Welche Prüfungen muss ich ablegen, um mich an einem College in den USA zu bewerben?
Die am häufigsten erforderlichen Prüfungen sind der SAT oder ACT (obwohl viele Hochschulen im Jahr 2026 eine „test-optional“-Politik verfolgen) sowie der TOEFL oder IELTS zur Bestätigung der Englischkenntnisse. Führende Hochschulen erwarten einen TOEFL-Score von 100+ oder IELTS 7.0-7.5. Die SAT- und ACT-Prüfungen können in Deutschland in internationalen Prüfungszentren abgelegt werden.
Kann man als deutscher Student ein Stipendium für ein Studium in den USA erhalten?
Ja, viele amerikanische Hochschulen bieten Stipendien für internationale Studierende an, auch für solche aus Deutschland. Die großzügigsten Hochschulen (Harvard, MIT, Yale, Princeton) decken 100 % des nachgewiesenen finanziellen Bedarfs ab. Es gibt auch externe Stipendien, wie das Fulbright-Programm oder das #YouAreWelcomeHere-Stipendium. Es lohnt sich, 12-18 Monate vor der Bewerbung mit der Stipendiensuche zu beginnen und sich von den Beratern des College Council beraten zu lassen.